Qualitätssiegel: Der Meistertitel steht bei Handwerkern und Kunden noch immer hoch im Kurs. Im mittelständischen Betrieb der Senkels wird die Meistertradition vorgelebt.
Elf Mitarbeiter – davon drei Meister. Das ist die beeindruckende Bilanz des mittelständischen Betriebs Senkel in Cottbus. Der PKW-Reparaturservice beschäftigt eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Meistern unter einem Dach. Frank Senkel, der Firmenchef, ist einer von ihnen. Besonders stolz ist der Kraftfahrzeugmechani-kermeister auf seine beiden Gesellen, die es in den Jahren 2004 und 2005 jeweils zum lehrgangsbesten Meisterschüler geschafft haben. „Wir freuen uns über unsere beiden Supermeister“, lacht Frank Senkel. Und das zu Recht, denn noch immer gilt der Meistertitel im deutschen Handwerk als Qualitätssiegel. Obwohl nach der Gesetzesänderung im Dezember 2003 von ursprünglich 94, nur noch bei 41 Handwerksberufen die Meisterpflicht besteht, schätzen die Kunden diese Tradition. „Durch den Wegfall der noch übrigen Meistertitel würde das hohe Niveau, das sich das Handwerk in Deutschland über Jahrzehnte aufgebaut hat, wegfallen“, so Frank Senkel. Es ist allerdings auch weiterhin möglich, in den 53 zulassungsfreien Berufen einen 'freiwilligen' Meisterbrief zu erwerben. „Für uns als Kfz-Betrieb ist der Brief jedoch noch immer zwingend vorgeschrieben, weil unsere Arbeit sicherheitsrelevante Aufgaben umfasst. Ohne wäre es auch schwer, die nötige Qualität vorzuweisen“, sagt der Unternehmer „Jemand mit einem entsprechenden Wissensstand muss schließlich auch die Verantwortung übernehmen und das ist dann der Meister“.
Frank Senkel hält viel von einem qualifizierten Abschluss. Bereits in der DDR besaß der heute 46-jährige einen Kfz-Meistertitel. Nach der Wende, im Jahre 1994, erneuerte er ihn – freiwillig. „Die Ausbildung war früher im Osten völlig anders“, erklärt er. Nicht nur das Steuerrecht und die Betriebsführung unterschieden sich, dem Firmenchef wäre es auch nicht möglich gewesen, Lehrlinge auszubilden „und das war mir wichtig“. Der Unternehmer arbeitet gern mit jungen Menschen zusammen und ist bereits seit Jahren im Meisterprüfungsausschuss der Handwerks-kammer Cottbus tätig. „Ich kann in dieser Tätigkeit selbst noch dazu lernen und mein Wissen auch an andere weitergeben“, so Senkel.
Bei den Senkels hat die Meisterausbildung Tradition
Davon profitierte auch sein Sohn Marcus Senkel, der im vergangenen Jahr mit Bravour seine Meisterprüfung ablegte. „Ich halte den Meisterbrief für sehr wichtig. Durch diese höhere Qualifikation, steigt schließlich auch das Ansehen beim Kunden“, erläutert Marcus Senkel, seines Zeichens Kraftfahrzeugtechniker-, sowie Karosserie- und Fahrzeugbauermeister. Und sein Vater fügt hinzu: „Zur Meisterschule wollte er aus freien Stücken. Er weiß aber auch, dass er eines Tages die Firma übernehmen wird und dazu benötigt er den Meister“. Die Ausbildung erfordert allerdings viel Zeit und Geld. Drei Jahre lang besuchte Marcus Senkel dafür die Abendschule. Bei der Finanzierung half ihm seine Familie. „Aber das sind Investitionen die sich lohnen“, meint der 24-jährige. Denn wer einen Meistertitel sein eigen nennt, dem wird Fachkompetenz zugeschrieben, so die einhellige Meinung im Hause Senkel. „Der Titel hat natürlich auch viel mit Imageaufwertung zu tun, denn die Kunden kommen lieber in einen Betrieb, wo der Ausbildungsstand hoch ist“, weiß der Vater. So stehen die Senkels der Abschaffung des Meisterbriefes auch eher skeptisch gegenüber. „Zwar wird dadurch vielen die Möglichkeit gegeben, eine eigene Firma zu gründen, aber ich befürchte es bleibt oft die Qualität auf der Strecke, da das Fachwissen nicht in ausreichendem Maß vorhanden ist“, gibt sein Sohn zu bedenken. Auch in Zukunft sehen Vater und Sohn für Handwerksbetriebe mit Meistertitel eine größere Chance auf dem Markt. „Wir hoffen, dass nicht noch weitere Berufe aus der Meisterpflicht genommen werden“.